Herr Eckert, Sie haben lange Jahre als Fernsehjournalist gearbeitet. Warum spielen in ihrem neuen Buch Journalisten und nicht die Polizei oder Agenten die Hauptrolle?
Ich wollte einmal die Medien besonders unter die Lupe nehmen. Sie sind zentral wichtig für die Demokratie, denn ohne die Fakten, die uns die Journalisten liefern, hätten wir nur Bauchgefühle und Vorurteile. Nur auf dieser Basis gibt es keine Verständigung.
Gleichzeitig stehen vor allem die Zeitungen unter immer größerem Druck. Sie sollen den Verlegern Gewinn bringen, deshalb wird eingespart, Redaktionen zusammengelegt, Stellen gestrichen. Die Arbeit muss immer schneller und billiger gemacht werden. Wie ist Qualität da noch erreichbar? Diesen Konflikt will ich beleuchten.
Warum eine Praktikantin als Hauptfigur?
Sie lädt uns wunderbar dazu ein, ihr die Daumen zu drücken, denn wir sind mit ihr auf gleicher Augenhöhe. Wie wir hat sie nur ihre Ideale, aber keine Ahnung, wie es wirklich in einem Zeitungshaus zugeht. Wir erleben all das hautnah mit und identifizieren uns mit ihr, wenn sie gegen alle Widerstände nach der Wahrheit sucht.
Es geht um einen Mordfall, dessen Spuren nach Kiew führen. Auch ein großer deutscher Rüstungskonzern spielt eine Rolle. Wie kommen Sie an die Themen für ihre Bücher?
Im Fall meines neuen Thrillers war der Auslöser eine Zeitungsmeldung. Darin ging es über den Mord an einen russischen Piloten, der die Seiten gewechselt hatte und mit seinem Hubschrauber und jeder Menge Daten über die russische Luftwaffe in der Ukraine landete. Jeder geht davon aus, dass ihn der russische Geheimdienst aus Rache ermordet hat. Aber die Täter wurden nie gefunden und so begann meine Autorenfantasie zu arbeiten: Gab es vielleicht noch andere Gründe, ihn umzubringen? Hatte sich der junge Mann möglicherweise auch in der Ukraine Feinde gemacht? Daraus entspann sich die Geschichte, die meine Praktikantin nach und nach ausgräbt.
In einem früheren Roman haben Sie den Skandal um den deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard vorweggenommen, in ihrem letzten Thriller "Die Nacht der Verräter" beschreiben sie einen Machtkampf zwischen Drogenbanden, der wenige Monate später in Köln Realität wurde. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie in Ihren Thrillern Ereignisse beschreiben, die später wirklich passieren?
Meine Frau sagt dann immer: du wirst mir allmählich unheimlich. Aber ich drehe die Welt nur ein Stück weiter und spitze die Dinge zu – und das tut die Realität dann leider auch selbst. Im Fall meines neuen Thrillers hoffe ich sehr, dass das nicht so sein wird. Es geht um den Einsatz von KI im Kriegsfall, um automatisiertes Töten. Leider zeigt aber der aktuelle Streit der US-Regierung mit der KI-Firma Anthropic, dass die großen Nuklearmächte bereits daran arbeiten.
Am 29. April lesen Sie aus "Die Praktikantin" in der Stadtbücherei Rees. Werden Sie dort nur aus ihrem Buch lesen oder auch etwas aus dem Nähkästchen plaudern?
Wer schon einmal eine meiner Lesungen erlebt hat, weiß, dass ich nicht nur ein paar spannende Stellen aus dem Buch vortragen werde, sondern viel über mich und das Thema, über mein Schreiben und die Recherchen erzähle. Und hinterher beantworte ich alle Fragen, die mir gestellt werden. Nur nicht die nach dem Mörder. Dafür gibt es ja das Buch.
Mehr Lesungen in Rees
Noch mehr Lesungen in Rees: 6.5. Frank Mehring „Songs of Liberation”, 27.2. Daniel Stenmans “Imitator”, 24.6. Rainer Neu “Heilige, Neuerer und ein Biest“, 15.9. Nicole Staudinger „Time for Tacheles“ und 15.10. Martina Bogdahn „Mirabellentage“. Mehr Infos und Tickets in der Stadtbücherei, der Touristeninfo am Markt oder online unter www.stadt-rees.de/shop

