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Wilfried Schmickler: Dieser Auftritt ist für mich wie eine Therapie


REES. Er kam mit einer mittelschweren Bronchitis nach Rees und setzte sich somit über den Rat seines Arztes hinweg. „Berlin, Hamburg, München hätte ich abgesagt“, erklärte Wilfried Schmickler. „Aber doch nicht Rees!“ Und so raspelte der Kabarettist zum Auftakt seines Soloprogramms „Herr Schmickler bitte!“ zunächst munter Süßholz, als er die 300 Zuschauerinnen und Zuschauer im Bürgerhaus seiner „allerliebsten Lieblingsstadt Rees“ willkommen hieß.

Auf der Bühne prangte die Friedenstaube auf blauem Grund, quasi als Antwort auf die vielen Kriege und Konflikte der Gegenwart. Er wolle zwei Stunden für Vergnügen sorgen, versprach Wilfried Schmickler, nicht nur für das Publikum, sondern vor allem für sich selbst: „Der Ballast muss raus, die Sorgen und Nöte, die Ängste und Zweifel. Dieser Auftritt ist für mich wie eine Therapie.“

Wilfried Schmickler redete, reimte und rechnete ab, manchmal sang und tanzte er auch. Und wenn den Zuhörern das Lachen im Halse stecken blieb, war der Abend besonders lohnend. Aus seinen wohlgewählten Worten sprach aber nur wenig Hoffnung, dass die Bundesregierung die Masse an nationalen und internationalen Herausforderungen meistern wird. Beweise doch der unbeliebte Kanzler, dass „Sauerland nicht Powerland“ ist, während es ein Gesetz zu geben scheint, dass der Verkehrsminister immer die „größte Knalltüte im Kabinett“ sein muss und man sich fragt, was der Außenminister eigentlich hauptberuflich macht.

Im einzigen Land der Welt, das ein Wort wie „Brückentag“ kennt, bekam auch die „Work-Life-Balance“-verwöhnte Bevölkerung ihr Fett weg. Wilfried Schmickler rechnete aus, dass es unter 80 Millionen Deutschen nur 300 Erwerbstätige gibt (so viele, wie im Bürgerhaus saßen), aber er wiederum der Einzige ist, der an diesem Abend im Bürgerhaus arbeitete. Wirtschaftlicher Aufschwung? Fehlanzeige!

Mit inzwischen 71 Jahren auf dem Buckel, kokettierte Wilfried Schmickler oft und gern mit seinem Alter. So werde er von seiner Krankenkasse stets daran erinnert, dass er täglich 10.000 Schritte gehen muss, habe aber eine gute Lösung gefunden, wie er mit der Mahnung „Sitzen ist das neue Rauchen“ umgeht: „Ich rauche jetzt im Stehen.“ Medizinische Studien belegen, dass reiche Menschen circa zehn Jahre länger leben als arme. „Verdienen sie einfach mehr!“, lautete deshalb sein guter Rat.

Am Ende eines gelungenen Kabarettabends der ganz alten Schule wurde Wilfried Schmickler versöhnlich: Es gebe doch eh genug Probleme, da müsse man sich das Leben nicht auch noch gegenseitig schwer machen. Er forderte „Respekt und Anstand“ statt „Hass und Terror“ und blickte durchaus zuversichtlich nach vorn: „Wir schaffen das!“


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