REES. Seit 30 Jahren bringen das Kulturbüro Niederrhein und die Stadt Rees gemeinsam Kabarett und Comedy in das regelmäßig ausverkaufte Bürgerhaus
Bruno Schmitz arbeitete noch als Lehrer an der Reeser Hauptschule, als der dem Kulturamt der Stadt Rees einen Brief schrieb. Er bot an, seine guten Kontakte zur Kabarettszene zu nutzen, um bekannte Künstler auf die Bühne des jungen Bürgerhauses zu holen. Von der Stadt erwartete er lediglich die Bereitstellung der Location und einen gewissen Zuschuss. Parallel würde er sich um die Buchung der Stars kümmern, um deren Gagen, um die Technik, das Hotel, das Catering und die Werbung. Der Reeser Kulturausschuss erkannte die Gunst der Stunde und stimmte zu. Das liegt nun 30 Jahre zurück.
Seit 1996 sind fast alle großen Namen der Branche mindestens einmal in Rees aufgetreten: von Dieter Nuhr bis Volker Pispers, von Gaby Köster bis Hella von Sinnen, von Johann König über Mario Barth und Atze Schröder bis Olaf Schubert. Auch Stammgäste kristallisierten sich heraus. So kamen Jürgen Becker, Wilfried Schmickler und Herbert Knebel mit jedem neuen Programm nach Rees, während niederrheinische Aufsteiger wie Ingrid Kühne und Ludger Kazmierczak ihren Erfolg auch durch ausverkaufte Säle in Rees mitbegründeten.
Bruno Schmitz kann seit 30 Jahren nicht nur auf die Treue der Kabarettisten und Comedians bauen, sondern auch auf die Unterstützung zweier Frauen: Barbara Teko, die seit Anfang an im Kulturbüro Niederrhein in Kleve mitarbeitet, und Claudia Scholten, die seit 1996 im Reeser Rathaus die Ansprechpartnerin für Bruno Schmitz und Barbara Teko ist. „Ich kam vor 30 Jahren in den Kulturbereich und durfte zwölf Tage später die erste Kabarettveranstaltung im Bürgerhaus betreuen“, sagt Claudia Scholten. Für sie ist es eine Ehrensache, jede Abendveranstaltung, vom Einlass des Publikums bis zur letzten Zugabe des Künstlers, zu begleiten: „Wir können froh sein, dass Bruno und Barbara so tolle Künstler nach Rees holen – da sollten wir sie einfach unterstützen.“ Barbara Teko erinnert sich noch gut an die Anfangsjahre: „Ich bin mittags über die Dörfer gefahren und habe die Kartenabrechnungen gemacht. Abends kam ich mit Taschen voller Geld ins Bürgerhaus und habe die Künstler direkt ausgezahlt. Online-Ticketing gab es damals noch nicht.“ Fernsehformate wie „RTL Samstag Nacht“ und „7 Tage – 7 Köpfe“ hatten zu jener Zeit ein neues Berufsfeld geschaffen: Neben Kabarettisten gab es nun auch Comedians, die das Publikum dank ihrer TV-Prominenz in die Säle lockten.
Der große Erfolg führte allerdings auch zu Problemen: „Viele, die in der Pionierzeit in Rees waren, sagten ab einem gewissen Punkt ihrer Karriere, dass sie nicht mehr in einem Bürgerhaus mit nur 500 Plätzen spielen wollen“, sagt Bruno Schmitz. „Sie gehen in die Tausender-Hallen, verdienen mit weniger Aufwand mehr Kohle und erwarten, dass die Reeser nach Düsseldorf oder Köln fahren, um sie zu sehen. Dadurch trocknen die kleineren Städte leider ein bisschen aus.“ Trotzdem gelingt es dem Kulturbüro Niederrhein immer wieder, überraschend große Namen nach Rees und in andere niederrheinische Städte zu holen. Barbara Teko verrät das Erfolgsgeheimnis: „Wir sind nett zu denen." Dahinter steckt mehr als eine Floskel: „Die Künstler fühlen sich bei uns wohl, es sind Freundschaften entstanden.“ Das gilt unter anderem für Herbert Knebel. Da Bruno Schmitz und Uwe Lyko (wie Knebel bürgerlich heißt) einst gemeinsam gegen den Schnellen Brüter in Kalkar demonstrierten und Bruno Schmitz die ersten Bühnenerfolge des befreundeten Künstlers betreute, kommt Herbert Knebel auch auf dem andauernden Höhepunkt seiner Karriere fast jedes Jahr nach Rees.
Stolz präsentiert Bruno Schmitz einen Brief, den er unlängst vom Reeser Bürgermeister Sebastian Hense bekam. „Er hat sich dafür bedankt, dass wir seit 30 Jahren die Reeser Kulturlandschaft bereichern“, freut sich Bruno Schmitz, der den Dank direkt ans Rathaus zurückgibt: „In Rees ist die Kultur eine Herzensangelegenheit. Davon können sich viele andere Kommunen eine Scheibe abschneiden.“ Sein Lob gilt allen bisherigen Kulturamtsleitern sowie Jörn Franken, der seit zwei Jahren die neue Stabsstelle für Tourismus, Kultur und Stadtmarketing leitet.
Die Erfolgsgeschichte wird auch nach 30 Jahren fortgeschrieben: Bis zur 800-Jahr-Feier der Stadt Rees im Jubiläumsjahr 2028 steht die Kabarett- und Comedy-Prominenz bereits fest, darunter Jürgen B. Hausmann, Mirja Boes, Bernd Stelter, Jochen Malmsheimer und Götz Alsmann. Beliebt sind in Rees auch die Kölschabende und so wundert es nicht, dass diese Abende mit einem Konzert der Kölschen Band Kasalla am 21. Mai 2027 ihre Fortsetzung finden. Am Samstag, 5. September 2026, steht sogar Bruno Schmitz höchstpersönlich auf der Bühne des Reeser Bürgerhauses. Das Gründungsmitglied der Kölner Stunksitzung tritt mit großem Ensemble bei der Tournee von „Stunk unplugged“ auf.
Ob als Kabarettist im Rampenlicht oder als Strippenzieher hinter den Kulissen: Auch mit knapp 80 Jahren denkt Bruno Schmitz nicht an den Ruhestand, zumal ihn sein Kulturbüro Niederrhein jung hält: „Vor einiger Zeit war ich zu einem Klassentreffen meiner ehemaligen Schüler eingeladen. Dabei stellte sich heraus, dass die alle schon in Rente gegangen sind und nur noch ich – ihr ehemaliger Klassenlehrer – jeden Tag arbeiten geht.“
INFO
Die nächsten Gäste im Reeser Bürgerhaus sind „Stunk Unplugged“ am Samstag, 5. September, Abdel Karim am Samstag, 10. Oktober, Stefan Verhasselt am Freitag, 6. November, und Herbert Knebels Affentheater (ausverkauft) am Donnerstag, 10. Dezember. Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr, Tickets sind u.a. in der Touristeninformation am Reeser Markt oder online unter www.reservix.de erhältlich.
Bildunterschrift
Barbara Teko (links), Claudia Scholten (oben) und Bruno Schmitz blicken auf 30 gemeinsame erfolgreiche Jahre zurück, in denen sie Kabarett und Comedy auf die Bühne des Reeser Bürgerhauses brachten. Ab September 2026 geht das Programm weiter. (Foto: Stadt Rees)

