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Deutsch mit liberalen Patriotismus


Dominik Wullers stellte im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Rees sein Buch „Ich bin Deutschland“ in der Stadtbücherei vor. Dabei ging der Autor bewusst der Frage nach seiner Identität als Deutscher nach.

Obwohl er als Sohn einer deutschen Mutter in Stadtlohn im Westmünsterland geboren wurde, erlebte er aufgrund seiner Hautfarbe seit seiner Kindheit mehr oder weniger offenen Rassismus. „Bis vor wenigen Jahren hatte ich statistisch gesehen sogar gar keinen Migrationshintergrund“, erklärte Wullers schmunzelnd. Seine Mutter war alleinerziehend, sein Vater lebte auf den Kapverdischen Inseln und hat nie in Deutschland gelebt. Seinen Vater habe er nur einmal gesehen; die Kapverden besuchte Wullers erst als Erwachsener.

„Ich bin im Münsterland aufgewachsen und hatte als Kind nie das Gefühl, anders als meine Mitschüler zu sein. Aber ich war es doch“, sagte Wullers. Er habe gedacht und sich verhalten wie ein Deutscher. Später sei er deshalb sowohl auf Cabo Verde als auch in den USA stets als Deutscher wahrgenommen worden.

Nach seinem Abitur in Stadtlohn ging Wullers zur Bundeswehr. Freunde und Familie rieten ihm davon ab, da sie ihn für zu aufsässig hielten und befürchteten, die Bundeswehr sei ein Hort von Ultrakonservativen und Rassisten. Doch mehrere seiner Vorgesetzten während des Wehrdienstes hatten einen ähnlichen Hintergrund. Dort habe Wullers erste Schritte gemacht, um sich selbst als "schwarzer Deutscher" zu verstehen. Er verpflichtete sich als Offizier und war mehrfach im Ausland eingesetzt.

„Wenn man in Afghanistan beschossen wird, ist es egal, welche Hautfarbe die weiteren Soldaten deiner Einheit haben“, berichtete Wullers. Während eines Auslandssemesters in den USA lernte er den US-amerikanischen Patriotismus kennen. Der damalige gesellschaftliche Zusammenhalt und die Einladung an alle Menschen, sich als Amerikaner zu fühlen, hätten ihn tief beeindruckt.

Im Studium belegte Wullers auch Philosophiekurse und entwickelte seine These, dass Deutschland einen liberalen Patriotismus brauche. „Deutsch ist, wer sich den Werten des Grundgesetzes verpflichtet fühlt“, wünscht sich Wullers. Patriotismus versteht er als Liebe zur Heimat und zum Land. Nationalismus hingegen äußere sich in der Ablehnung anderer Länder und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.

Liberal versteht Wullers dabei weniger im Sinne wirtschaftlicher Freiheit. Freiheit brauche aus seiner Sicht einen Rahmen – und damit einen Staat, der Regeln und Grenzen setze, zugleich aber auch schütze. Nach seinem Ausscheiden als Offizier wechselte Wullers als ziviler Beamter zur NATO nach Brüssel. Dort vertrat er in Fachausschüssen die deutschen Interessen. Zur Begrüßung habe der Ausschussvorsitzende ihm erklärt, bei den Sitzungen der NATO sei er nicht Dominik Wullers, sondern Deutschland.

Die rund 30 Gäste in der Stadtbücherei dankten ihm für die Lesung mit lang anhaltendem Applaus.


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