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Lesung Dominik Wullers: “Wir brauchen einen starken Zusammenhalt“, 9.10.2026


REES. Am 9. Oktober stellt Dominik Wullers in der Stadtbücherei Rees sein Buch „Ich bin Deutschland. Plädoyer für einen liberalen Patriotismus“ vor. Wir konnten dem Autor vorab einige Fragen stellen.

Dominik Wullers, der Titel „Ich bin Deutschland. Plädoyer für einen liberalen Patriotismus“ klingt sehr selbstbewusst. Gibt es einen besonderen Grund, warum Sie gerade diesen Titel gewählt haben?

Ich habe mehrere Jahre Deutschland in einem NATO-Ausschuss vertreten dürfen. Dort habe ich nicht „Ich stimme diesem oder jenem zu“ gesagt, sondern „Deutschland stimmt dem zu“. Und diese Erkenntnis, dass ausgerechnet ich, mit meiner Biografie, für ganz Deutschland spreche, hat mich tief bewegt und mit zu dem Titel geführt. Und es stimmt ja auch, jemand mit meinem Lebensweg und meinem Hintergrund ist mittlerweile typisch deutsch. Zu guter Letzt habe ich damit auch auf die Kampagne „du bist Deutschland“ angespielt.


In Ihrem Buch schreiben Sie darüber, dass Sie sich als Kind nicht wirklich als echter Deutscher gefühlt haben. Gab es eine bestimmte Situation oder einen bestimmten Moment, in dem sich Ihre Einstellung zu Ihrer eigenen Identität verändert hat?

Ich hatte eigentlich eine wunderschöne Kindheit, bis ich dann mit Rassismus konfrontiert wurde, was mir erstmal jede deutsche Identität geraubt hat. Ich hatte nicht das Gefühl, Deutscher zu sein und dazu zu gehören. Geändert hat das in meinem Fall die Bundeswehr. Ich bin zum Wehrdienst eingezogen worden 2003 und war von jetzt auf gleich mit großer Selbstverständlichkeit Deutscher. Das überrascht sicher manche, aber im Militär lernt man sich schnell kennen und ist aufeinander angewiesen. Das baut Vorurteile schnell und effektiv ab.

               

Braucht man überhaupt ein Gefühl einer nationalen Zugehörigkeit, um sich einer Gesellschaft zugehörig zu fühlen?

Diese Frage ist typisch deutsch. Die würde so in kaum einem anderen Land gestellt werden. Die meisten Menschen wollen doch dazugehören und stolz auf ihr Land sein. Das ist in Deutschland nicht anders, wie man bei jedem großen Fußballturnier wieder sehen kann. Ich glaube, wir können und müssen sogar stolz auf Deutschland sein. Unser Land ist das liberalste und demokratischste Deutschland, dass es je gab. Wenn wir wollen, dass es so bleibt, dann müssen wir uns auch eine emotionale Beziehung zu Deutschland erlauben. Russland bedroht uns, die Amerikaner verlassen uns und der politische Extremismus wird immer stärker. Wir brauchen jetzt einen starken Zusammenhalt und wir müssen endlich unser Verhältnis zu uns selbst klären, wenn wir ein freies und demokratisches Deutschland behalten wollen.

               

Ihr Buch ist auch ein Plädoyer für einen liberalen Patriotismus und für die Demokratie. Können Sie kurz beschreiben, was Sie sich für die Demokratie in Deutschland am meisten wünschen?

Wir brauchen einen ehrlichen, demokratischen Dialog miteinander. Die Denk- und Sprechverbote der Vergangenheit waren absolut anti-liberal und anti-demokratisch. Gleichzeitig dürfen wir auch nicht Hass und Hetze verfallen. Das kann ein liberaler Patriotismus leisten, der uns erlaubt uns gegenseitig unsere Meinung klar und deutlich zu sagen, aber auf der Grundlage, dass wir uns respektieren, weil wir als deutsche Staatsbürger letztlich alle gleich sind.

 

Sie kommen am 9. Oktober nach Rees. Erwartet die Besucher eine Vorlesung über Demokratie und Patriotismus oder werden Sie vielleicht auch über Ihr Leben und über Ihre persönlichen Erfahrungen sprechen?

Beides. Als Sohn einer weißen Münsterländerin und eines schwarzen Cabo Verders, als Soldat, als Rüstungsbeamter, als Diplomat bei der NATO und als Deutscher habe ich verschiedene Perspektiven auf unser Land gewinnen können. Diese Geschichte will ich teilen und darüber versuchen zu erklären, wie man mit diesen vielen Hintergründen zu dem Schluss kommen muss, dass Deutschland Patriotismus braucht, allerdings einen liberalen Patriotismus.

Herr Wullers, vielen Dank für das Gespräch!



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