Der Kabarettist und WDR4-Moderator Stefan Verhasselt tritt am Freitag, 6. November, ab 20 Uhr im Reeser Bürgerhaus auf. In seinem aktuellen Bühnenprogramm „Kabarett 6.0 – Mit Euch ist es schöner“ philosophiert er über die Eigenarten und Absurditäten unserer Gesellschaft. Im Interview spricht er über Kultur, Krisen und das Beste am Niederrhein.
Mit Ihrem Bühnenprogramm „Kabarett 6.0 – Mit euch ist es schöner“ sind Sie seit Februar 2024 unterwegs. Wie viel ist – nach mehr als zweieinhalb Jahren – noch vom Original übrig?
Stefan Verhasselt: Noch ziemlich viel, weil ich es schon beim Schreiben bewusst im Zeitgeist gehalten habe, auch wenn ich immer mal wieder Rückblenden einbaue, die jetzt wieder aktuell sind: Zum Beispiel die berühmte „Herrencreme“, die es mittlerweile ja wieder auf einige Speisekarten am Niederrhein geschafft hat.
„Mit euch ist es schöner“ nimmt Bezug auf die Corona-Zeit, in der Sie längere Zeit auf das Publikum (und das Publikum auf Sie) verzichten mussten. Hat sich die Kulturszene seither zu 100 Prozent von der Krise erholen können?
Leider geht es nicht allen gut, in der Szene. Viele haben ihre Programme reduziert, weil das Publikum inzwischen sehr genau überlegt: Geben wir das Geld für ein schönes Abendessen aus oder für ein kulturelles Event? Beim Titel ist mein Gedanke aber ein anderer: „Mit euch ist es schöner“ steht für unsere Gesamtlage. Wenn man sich so angucken „muss“, welche einzelnen Figuren in unserer Welt herrschen, hab‘ ich mich gefragt: „Hömma, Stefan – wir können ja am Niederrhein mit uns selbst sprechen – warum sollste über diese einzelnen Leute hämische Witzchen machen oder zum Beispiel Milliardäre durch den Kakao ziehen, die E-Autos verkaufen? Et bringt nix!“ Und Häme-Humor ist nicht mein Humor. Daher lautet meine Devise für jeden Niederrhein-Kabarettabend: Sprechen wir lieber über uns selbst, lachen wir über uns selbst, denn Leute: „Mit euch is et schöner“.
Sie wurden in der Blumenstadt Straelen geboren und sind in der Apfelstadt Tönisvorst aufgewachsen. Rees war mal Tabakstadt. Womit bringen Sie Rees heute in Verbindung?
Dass Rees „Tabakstadt“ war, habe ich in unserer WDR4-Vormittagssendung, im Quiz „Ja Nein Vielleicht“, erfahren, weil ein Kandidat mir genau das als Lösung anbot. Wir suchten aber seinerzeit den „Planetenweg“, den es ja auch da gibt. Ich verbinde Rees auch mit der schönen Sonnenseite! Denn, wie in Düsseldorf, ist dort die Rheinpromenade auf der „richtigen“ Seite (nicht wie in Köln) und eine der schönsten bei uns am Niederrhein.
2028 feiert die Stadt Rees den 800. Jahrestag der Stadterhebung. Möchten Sie schon jetzt gratulieren?
Ich reihe mich gerne ein in die berühmte „Gratulantenschar“. Die steht ja jetzt schon vor dem Bürgerhaus, mit den wunderbaren „Alltagsmenschen“. Vielleicht kann Künstlerin Christel Lechner mit ihrer Tochter noch ein paar dazu stellen. Würde doch zum Jubiläum prima passen. Und dann ein, zwei Lücken in diese „Gratulantenschar“ einbauen, wo man sich selbst live „einreihen“ kann. Dat gäb‘ doch ein paar tolle Fotomotive zum 800. Geburtstag.
Sie haben im Laufe Ihrer Karriere viele Auftrittsorte erlebt. Wodurch zeichnet sich das Reeser Bürgerhaus aus? Sowohl auf der Bühne als auch backstage?
In Rees ist es wie ein Nachhausekommen! Und das hängt mit dem wunderbaren Team vom Kulturamt und vom Bürgerhaus zusammen. Da fühle ich mich immer sehr wohl. Und vor einem Auftritt ist so eine Situation auch sehr wertvoll. Liebe Grüße!
Ende 2027 startet Ihr neues Programm „Kabarett 7.0 – Best of Niederrhein“. Was erwartet das Publikum?
Die schönsten Stories aus meinen 20 Jahren Kleinkunst-Kabarett. Ich hab‘ zu Hause sooo einen Stapel der letzten Jahre gesammelt. Daraus möchte ich die besten Geschichten nochmal auf der Bühne präsentieren. Natürlich zeitgemäß „upgedated“. Und natürlich gibt‘s auch neue Stories mit kuriosen Inhalten, wie zum Beispiel dieses kleine Nähset in Hotelzimmern, verbunden mit der Frage: Wat tuste damit?
Nehmen wir „Best of Niederrhein“ mal wörtlich: Was ist das Beste am Niederrhein?
Unsere Offenherzigkeit. Ich bin ja oft unterwegs, treffe viele Menschen. Und wenn dann Niederrheiner dabei sind, sind es immer die, die du schon von Weitem erzählen hörst, die laut lachen, die sich eben selbst nicht ganz wichtig nehmen. Herrlich. Also, wenn andere Regionen da ne Scheibe von abhaben wollen: Bitte nehmt‘, et is genug da!
Tickets gibt es zum Preis ab 25,50 Euro unter anderem in der Reeser Touristeninformation am Markt, im Avon-Lädchen in Millingen, im Emmericher Theaterbüro, in der TIK Kalkar, beim Kulturbüro Niederrhein in Kleve oder online unter www.reservix.de

Fotos: Simon Erath
Illustrationen: Jürgen „Moses“ Pankarz

