Es scheint eine innige Beziehung zu sein, die über Jahre hinweg reifen konnte und die den Comedian Abdelkarim mit dem zweigleisigen Bahnhof in Empel-Rees verbindet. Schon vor zwei Jahren zelebrierte der „Deutsche mit Abschiebe-Optik“ in seinem Bühnenprogramm die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und auch diesmal schilderte Abdelkarim den mehr als 400 Besucherinnen und Besuchern im Bürgerhaus seine Eindrücke aus dem Reeser Ortsteil: „Ich dachte, nach zwei Jahren ist da optisch und technisch einiges passiert und das wäre inzwischen euer Hauptbahnhof. Aber da wurde doch noch vieles zurückgefahren.“
Und bevor Abdelkarim um 23.19 Uhr seine Heimreise von Empel nach Duisburg antrat, bescherte er den Reeser Fans mit seinem Programm „Plan Z – Jetzt will er`s wissen“ zwei sehr unterhaltsame Stunden und hinterher noch viele gemeinsame Erinnerungsfotos.
Den größten Spaß hatte das Publikum, wann immer Abdelkarim spontan mit den Simons, Sabines oder Angelikas in den ersten Reihen ins Plaudern geriet und lokale Besonderheiten aufgriff: So wusste er, dass die "coole" Haldern Pop Bar praktischerweise direkt an ein Bestattungsunternehmen grenzt, er verortete Kalkar und Esserden klanglich in die Türkei, er mutmaßte, dass der SV Rees „im Wald in Empel“ bolzt und sorgte sich um den Anschluss des Niederrheins an die digitale Zukunft: „Habt Ihr Internet?“ Die Antwort der Gäste: „Manchmal.“
Das Publikum war auffallend jung. Selbst Familien mit zwei oder sogar drei Generationen waren ins Bürgerhaus gekommen und amüsierten sich gemeinsam über die zum Teil abstrusen Schilderungen von Haifischbegegnungen und Halal-Rezepten, von Magerquark und „Gender Reveal Partys“ oder von „Aktenzeichen XY... ungelöst“.
Die Bandbreite reichte von Schlankheitswahn „Ich habe 17 Kilo abgenommen. 17 mal das gleiche Kilo“, über Sportpläne „Ich nehme immer noch die Rolltreppe. Aber mit Anlauf", bis zur Sprachvorschriften, wie man Menschen mit brauner oder schwarzer Haut nennen darf. Dabei schwang Abdelkarim nie die moralische Keule, sondern setzte auf viel Witz und Sympathie, manchmal aber auch auf bitterböse Ironie.
Die Menschen im vollen Reeser Saal fühlten sich bestens unterhalten und stützten Abdelkarims zentrale These des Abends: „97 Prozent der Leute, die eine Comedy-Veranstaltung besuchen, sind weltoffen und nicht rassistisch - das besagt eine Studie, die ich gerade erfunden habe.“
Mehr Kabarett
Die nächsten Kabarett-Gäste im Reeser Bürgerhaus in diesem Jahr sind: Freitag, 6. November, Stefan Verhasselt (Restkarten) und Donnerstag, 10. Dezember, Herbert Knebels Affentheater (Ausverkauft). Weitere Infos und Tickets unter www.stadt-rees.de/shop

