Mahnmal Esserden

Mahnmal Esserden

Im Ortskern von Esserden erinnert ein Mahnmal an die Opfer der beiden Weltkriege. Die Geschichte der ortszentralen Anlage an der Gabelung der heutigen Esserdener Straße/Alte Schulstraße reicht bis in das Jahr 1897 zurück. Anlässlich des 100. Geburtstags Kaiser Wilhelms I. wurde eine sog. Kaisereiche gepflanzt. In diesem Rahmen gründete sich in Esserden auch der ehemalige Kriegerverein. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich dieser Verein für die Errichtung eines Gedenksteins für die 16 gefallenen Soldaten der drei Rees-Land-Gemeinden ein. Das von dem Düsseldorfer Bildhauer Hubert Lensing geschaffene Denkmal wurde bereits am 5. September 1920 feierlich eingeweiht.

Die Gestaltung des ursprünglichen Denkmals (vgl. mittlere Stele) vermittelt mehrere zeittypische Botschaften und ist in zwei Bereiche getrennt:

Die untere Bronzetafel wird durch eine weltlich/politische Deutung, das obere Bronzerelief durch eine sakrale/religiöse Deutung geprägt. Beide Deutungsmuster versuchen, den Tod auf ihre Weise zu rechtfertigen. Vor dem Hintergrund der deutschen Verantwortung für den Ersten Weltkrieg und das millionenfache Sterben muss dies kritisch betrachtet werden. Auch der Standort des Denkmals unter der Kaisereiche war bewusst gewählt. An prominenter ortszentraler Stelle und nicht etwa an einem verkehrsberuhigten, abseits gelegenen Ort der Ruhe errichtet, stellt das Denkmal nicht das persönliche Innehalten bzw. Gedenken sondern die öffentliche Gefallenenehrung in den Vordergrund.

1951 erfolgte eine Erneuerung des schadhaften Gedenksteines, der dann 1956 um zwei seitliche Tafeln für Kriegs- und Ziviltote des Zweiten Weltkrieges ergänzt wurde. Damit entwickelte sich die Anlage vom Kriegerdenkmal zu einem allgemeinen Ort des Gedenkens. Dem waren intensive Diskussionen um den Umgang mit den alten Gedenktafeln vorausgegangen. Bei der Gestaltung der beiden angrenzenden Steine orientierte man sich zwar an dem bestehenden zentralen Gedenkstein, verzichtete jedoch auf jeglichen Deutungsversuch, auf ehrende Worte oder künstlerische Zierde.

2019 wurde das Mahnmal unter Beibehaltung der alten Bronzetafeln saniert und weitgehend in seiner historischen Form wiederhergestellt. Die offizielle Einweihung fand coronabedingt erst 2022 statt.

Heute soll das Esserdener Mahnmal ein Ort des Gedenkens und der Trauer um die verstorbenen Dorfbewohner, ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der kriegerischen deutschen Vergangenheit und vor allem ein Ort sein, der mahnend an die Folgen von Krieg, Militarismus und Fanatismus erinnert. Im Laufe der Geschichte hat sich sein Deutungsrahmen stetig verändert und als solches ist der Umgang mit dem Denkmal immer auch ein Zeichen seiner Zeit, weshalb eine kritische Auseinandersetzung mit der lokalen Erinnerungskultur auch in Zukunft unerlässlich bleibt.

Jährlich findet eine öffentliche Kranzniederlegung durch die St.-Irmgardis-Schützenbruderschaft Esserden-Reeserward-Speldrop e. V. zum Schützenfest und zum Volkstrauertag statt.

Weiterführende Hinweise: Reeser Geschichtsfreund Heft Nr. 13/2020 und Nr. 20/2027